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Geschichte des Instituts

Die Niederlandistik kann in Köln bald auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken. Bereits in der städtischen Handelsschule (1905-1915), die 1919 in der neu gegründeten Universität aufging, wurden niederländische Sprachkurse angeboten, die während des Ersten Weltkrieges unterbrochen wurden. Von 1919 bis 1931 war die Niederlandistik Teil der Germanistik in Köln. In diesen Jahren war PD Dr. Karl Menne (1873-1937) der einzige Dozent, der ab 1919 Vorlesungen über niederländische Literatur abhielt. Bis zu seiner Erkrankung im Jahr 1935 lehrte er im neu errichteten Deutsch-Niederländischen Forschungsinstitut. Das Forschungsinstitut war eine städtische Institution, deren Verwaltung Vertreter der Universität zu Köln, der Stadt Köln und der niederländischen Regierung bildeten. Das Institut wurde 1931 errichtet und sollte an die Universität angeschlossen werden, allerdings geschah dies bis zu seiner Auflösung im Jahre 1945 nicht. Auch im Forschungsinstitut machte sich der Nationalsozialismus sowohl im Inhalt der Vorlesungen, als auch in der Personalpolitik bemerkbar. Der ab 1936 am Forschungsinstitut tätige Historiker Dr. Franz Petri (1903-1993) unterstützte die nationalsozialistische Expansionspolitik. Er verlor nach dem Kriegsende zwar seinen Lehrstuhl an der Universität zu Köln, wurde aber 1951 mit Hilfe Hermann Aubins Direktor im Provinzialinstitut für westfälische Landes- und Volkskunde in Münster und erhielt 1961 mit Hilfe Franz Steinbachs dessen Lehrstuhl und Direktorat im Institut für geschichtliche Landeskunde in Bonn. Prof. Friedrich von der Leyen (1873-1966), der erste Direktor des Forschungsinstituts, wurde 1937 von den Nationalsozialisten in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Er war einer der ersten Professoren, die nach Kriegsende rehabilitiert wurden, sodass er seine Tätigkeit als Honorarprofessor an der Universität zu Köln wieder aufnehmen konnte. Aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln blieben nach Kriegsende die Versuche, ein selbstständiges Institut für Niederländische Philologie zu errichten, erfolglos. Bis 1965 blieb die Niederlandistik, ebenso wie die Nordistik und die Volkskunde, eine Abteilung des Germanistischen Instituts. In dieser Zeit ist besonders Frau Dr. Martha Baerlecken-Hechtle (1907-2007) hervorzuheben, die als Lektorin am Institut tätig war. Ihr war 1942 wegen politisch motivierter Renitenz die Habilitation an der Universität zu Köln verwehrt worden. Nach 1945 war sie maßgeblich am Ausbau der Niederlandistik zum eigenständigen Universitätsfach beteiligt. Im Jahre 1965 wurde das Institut für Niederländische Philologie gegründet. Auf den neu eingerichteten Lehrstuhl wurde Petrus Vermeeren berufen, dem 1976 Herman Vekeman nachfolgte. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Lehrangebot weiter ausgebaut. Studierende wurden in der Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Landeskunde, Übersetzung und in der Sprache Afrikaans ausgebildet. Seit 2000 lehrt Maria-Theresia Leuker als Professorin für niederländische Literatur am Kölner Institut. 1991 wurde eine Hochschuldozentur für Sprachwissenschaft eingerichtet, die zunächst Amand Berteloot und von 1996 bis 2002 Ann Marynissen innehatte. Sie wurde 2005 auf die neu geschaffene Professur für Sprachwissenschaft des Niederländischen berufen. 2007 gab es eine Namensänderung des Instituts, das seit 1965 am Lindenthalgürtel 15a ansässig ist: Es wurde in das Institut für Niederlandistik umbenannt.

 

Literatur: Ann Marynissen, (2010), Van 'Deutsch-Niederländisches Forschungsinstitut' tot 'Institut für Niederlandistik": de geschiedenis van de neerlandistiek in Keulen. In: Matthias Hüning, Jan Konst & Tanja Holzhey (red.): Neerlandistiek in Europa. Bijdragen tot de geschiedenis van de universitaire neerlandistiek buiten Nederland en Vlaanderen. Münster, New York, München, Berlin: Waxmann (Niederlande-Studien, 49), 131-144.